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Zwei Geschichten einer jungen Autorin:

Das unheimliche Wesen

Die weiße Frau

Das unheimliche Wesen


Eigentlich, dachte ich immer es sei toll, die Sommerferien zu Hause bei seinen Freunden zu verbringen. Jetzt denke ich doch ein wenig anders darüber. Denn diese Ferien waren bis auf  drei Tage recht ereignislos. Dafür hatten diese paar Tage es in sich.

Wieder mal war es einer dieser heißen Tage, an denen nichts los war. Ich saß mit meinen Freundinnen Viki und  Nicole auf der Kirchtreppe. Wie schon so oft, überlegten wir, was wir tun könnten um nicht vor Langeweile zu sterben. Nicht das ins nichts eingefallen wäre, nur war der richtige Vorschlag noch nicht dabei. Doch plötzlich hatte Viki eine Idee. Sie erzählte uns, das sie ein paar Mädchen kennen gelernt hatte, die ihr die tollsten Geschichten von Nachtwanderungen erzählten, von ihrem Zelt und von einem See, wo sie ein Floß gebaut hatten. Viki meinte es wäre toll auch so einen Ausflug zu machen.

"Ohne mich! So was Verrücktes! Ohne mich!" meinte Nicole. "Zelten ist nicht so ihr Ding, wegen der vielen Insekten." erklärte ich Viki. Damit hatte ich Nicole auch schon überredet. Denn wie eine Mimose dastehen wollte sie auf keinen Fall. "Allerdings," bemerkte ich, "müsste ich erst noch fragen." Das wollten die anderen auch noch tun. Und so trafen wir uns zehn Minuten später wieder an den Kirchtreppen. Nicole und ich waren bereits da und zwei Minuten später kam Viki schreiend auf uns zu gerannt. "Ich darf." kreischte sie so laut, dass es nun die ganze Straße wusste. Plötzlich waren wir alle super glücklich. Zelten und das ohne Eltern, das konnte nur cool werden. Das Einzige was es jetzt noch zu tun galt, war es einen Ort zu finden und die Sachen zu packen. Wir entschieden uns für ein Waldstück am Stausee. Und so fuhren wir zwei Stunden später mit unseren Fahrrädern in Richtung Hohenwarte.

Eine halbe Stunde darauf hielt uns ein Polizist an. Wir fuhren an den Straßenrand und waren doch sehr nervös als der Polizist uns mit finsterem Blick zu sich winkte. Er erzählte uns das vor kurzer Zeit ein kleines Mädchen von einem Fahrrad angefahren wurde und deshalb jetzt im Krankenhaus sei. Wir verteidigten uns hartnäckig und Nicole erklärte das wir niemanden umgefahren hätten. "Niemand hat Jemanden angefahren," wiederholte ich, "verstehen Sie das nicht?" Schließlich gab der Polizist auf, er kontrollierte unsere Fahrräder wegen irgendwelcher Beulen, die vom Unfall stammen könnten, fuhr dann aber mit sichtlich enttäuschter Mine weg. 
Auch Viki war jetzt schlecht drauf. Den ganzen Weg zum Zeltplatz schimpfte sie lauthals über die Angelegenheit. Doch als wir dann endlich da waren hatte sie sich wieder gefangen. Nachdem wir alles aufgebaut hatten wollten Viki und Nicole schwimmen gehen. Ich jedoch wollt nur in der Sonne liegen und lesen. "Pass auf das du nicht untergehst!" ärgerte ich Nicole. "Wenn man schwimmen kann, kann man nicht so einfach ertrinken," kam es knochentrocken von ihr zurück.

Das war fies. Sie tat so als wäre ich unfähig zu schwimmen und hätte deshalb Angst ins Wasser zu gehen. Ich war wütend.  Mir war zumute wie ein Kessel kurz vor dem Zerplatzen. Missmutig legte ich mich mit einem Buch in Gras. Nach einer Weile kamen Viki und Nicole wieder aus dem Wasser. Wir hatten beschlossen die Gegend ein wenig zu erkunden. Das taten wir und nach ein paar Minuten stießen auf ein sehr tiefes und steiles Loch. Wir besahen uns die Sache genauer und da war auch schon das nächste Problem. Unser Schusselmonster ging zu weit an das Loch und rutschte aus. Am Rande des Lochs versuchte sich Viki festzuklammern. Wenn sie da runter fällt bricht sie sich sicher einige Knochen, dachte ich. Doch mit vereinten Kräften zogen  Nicole und ich sie wieder hoch.. Auf diesen Schreck gingen wir zum Zelt zurück. Nach ein paar Stunden, in denen wir ein kleines Floß gebaut hatten, vergaßen wir schnell, was geschehen war. Als das Floß fertig war, nahm ich ein Stück weißes Papier aus meiner Tasche. Ich schrieb darauf mit einem verkohlten Holzstück aus dem Lagerfeuer. Wir legten das Papier, auf das ich unsere Namen geschrieben hatte, mit einem Stein auf das Floß und trieben es ins Wasser. Nach dem ziemlich späten Abendessen gingen wir in unser Zelt. Dort erzählten wir uns noch Geschichten und Witze bis wir einschliefen.

 Ich konnte nicht so recht schlafen und deshalb fiel mir an Viki auch etwas auf. Ein paar mal wachte sie daran auf, dass sie schlotterte und ihr kalt war. Und dann beim dritten oder vierten Mal zog sie sich etwas über und ging leise aus dem Zelt. Ich folgte ihr in einigem Abstand und da sah ich etwas, was mir am Tag zuvor noch nicht aufgefallen war. Viki allerdings schien es schon vorher bemerkt zu haben, deshalb legte sie sich anscheinend auch darauf. Da breitete sich ein Moosteppich aus, der war weicher als ihr Bett.
Ich wusste dass sie es hasste auf hartem Boden zu schlafen und deshalb lies ich sie allein. Am nächsten Morgen war sie wieder im Zelt. Wir hatten beschlossen ins Dorf zu fahren und uns ein wenig umzusehen.

Nachdem wir unsere Fahrräder angekettet hatten zogen wir los. Es war wirklich ein sehr schöner Ort. Kleine Bauernhäuser drängten sich an den Straßenrändern aneinander. Bei diesem schönen Wetter sah man auch viele Kinder. Das Seltsame war nur, das eines der Kinder das gleiche Fahrrad besaß wie Viki. Als wir uns das Dorf besahen, fiel uns ein Teil auf, der ziemlich schäbig war. Etwas außerhalb befand sich ein verwahrloster alter Friedhof. Plötzlich sahen wir uns an und hatten anscheinend dieselbe Idee. Nachts auf einem Friedhof herum zu streunen, war die älteste Mutprobe der Welt. Der Vorschlag ist uns allen sehr gelegen gekommen, auch wenn ich zugeben muss meine Bedenken gehabt zu haben. "Lasst uns gehen," schlug Nicole vor. Wir liefen zu unseren Fahrrädern zurück. Auf einmal begann Viki zu schreien. " Mein Rad ist weg," schrie sie, "mein neues Rad!" Jetzt hatten Nicole und ich alle Hände voll zu tun. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir sie wieder beruhigt und überredet hatten zur Polizei zu gehen.
Dort angekommen mussten wir erklären, was geschehen war und eine genaue Beschreibung des Fahrrads abgeben. Danach machten wir uns mit nur noch zwei Fahrrädern und Viki auf dem Gepäckträger auf den Rückweg. Als wir bei unserem Zelt angekommen waren machte ich Viki klar, das man ihr Rad schon finden würde. Nachdem sie sich wieder gesammelt hatte, bereiteten wir uns auf unsere Mutprobe vor. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg. Zum Laufen ist es zu weit gewesen, worauf hin wir wieder zu den Fahrrädern griffen. In der frühen Nacht erreichten wir unser Ziel. Mir fiel auf, das wir alle sehr nervös wirkten. Schließlich sprach Viki ihre Bedenken aus. Nicole, der ich die Geschichte mit Vikis Nachtwanderung aus dem Zelt erzählt hatte meinte, wenn sie ein solcher "Nachtwächter" ist darf sie kein Feigling sein. Als wir so über den Friedhof gingen, bemerkte ich, das Viki die Wörter Nachtwächter und Feigling nicht aus dem Kopf gingen. Während ich so in meine Gedanken versunken war, rammte mir Nicole ihren Ellbogen in die Rippen. "Au, was soll..."  Doch mitten im Satz sah ich, was sie meinte. Auf einem Hügel direkt vor uns stand eine Art Engel. Aber bei näherem Hinsehen war es etwas anderes. Diese Statue stellte eine sehr hübsche junge Frau in einem pechschwarzem langen Kleid dar. Ihre Augen starten finster auf uns herab. Der Mund war leicht geöffnet und man sah, wie zwei lange Fänge daraus hervor blitzten. Die langen federnen Flügel waren ebenfalls tief schwarz und in ihren Rücken gewachsen. In beiden Händen hielt sie ein langes Schwert. Sie sah kampfbereit aus.

Nicole stupste mich abermals an: "Lasst uns gehen, diese Statue ist mir nicht geheuer." Das war eine gute Idee. Wir machten uns schleunigst auf den Rückweg. Ziemlich schnell fuhren wir die dunklen Straßen und Wege zu unserem Zelt zurück. Dort angekommen, krochen wir in die Schlafsäcke und unterhielten uns noch etwas über dieses seltsame Wesen. Was es wohl bezweckte und wieso stand es auf einem Friedhof? Ich hatte schon viele Engel dort gesehen, aber noch nie eine Figur, die eindeutig das Böse verkörpert. Viel Zeit um darüber nachzudenken hatte ich nicht mehr, denn bald darauf begannen mir die Augen zuzufallen. Auch Vikis Geschnarche hielt mich nicht davon ab sofort in einen tiefen Schlaf zu fallen. Ich schlief ziemlich unruhig und wachte ein paar mal wegen Alpträumen auf. Diese Frau mit dem finsteren Blick ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Nicole schien es genauso zu gehen denn wir waren oft zur selben Zeit wach. Nur Viki schnarchte weiter fröhlich vor sich hin. Sie schien das alles vollkommen kalt zulassen. Doch mit einemmal waren wir alle hellwach. Wir hatten vor dem Zelt ein ziemlich lautes Scheppern gehört. Schnell knöpfte Nicole das Zelt auf. Mit einem Satz waren wir draußen.
Doch heute denke ich, ist es ein Fehler gewesen nachzusehen, was den Lärm verursachte. Es ist noch dunkel gewesen, aber es lag schon dichter Nebel auf dem Gelände. Weit hinten sah man die ersten hellen Sonnenstrahlen. Doch die Sicht reichte aus um das zu sehen was wir drei wohl niemals vergessen werden. Wir fingen gleichzeitig an zu schreien, denn auf dem Boden lag Vikis Fahrrad und darüber schwebte das Wesen, das wir auf dem Friedhof gesehen hatten. Doch jetzt schien es uns recht lebendig. Seine Flügel hatten es weit ausgebreitet und die Augen sahen uns finster an. Doch das Schwert in der Hand der Frau hatte sich gesenkt. Als die Sonne im Osten immer weiter aufging, begann sie mit den Flügeln zu schlagen und flog in Richtung Dorf davon. Immer noch standen wir mit offenen Mündern da und regten uns nicht. Doch nach ein paar Minuten sanken wir auf den Boden. Jedem von uns stand die pure Angst ins Gesicht geschrieben. Viki war die erste, die wieder aufstand. Sie lief zu ihrem Fahrrad und begutachtete es. Langsam kamen auch Nicole und ich wieder auf die Beine. Außer ein paar Kratzern hatte das Rad nicht abbekommen. Ohne auch nur ein Wort zu sagen begannen wir unser Lager zusammen zu räumen. Jeder hatte nur noch einen Gedanken: Wir mussten diesen Ort hinter uns lassen, denn keiner von uns Dreien hätte den Mut gehabt, eine weitere Nacht dort zu verbringen.

Erst als wir auf dem Heimweg waren, wurde mir klar, was passiert ist. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Fragen kamen auf. Hatten wir uns das eingebildet? Wenn ja wieso alle gleichzeitig? Wenn nicht, was um Himmelswillen hatten wir dann gesehen? Wenn das Wesen nicht existierte, wie kam dann das Fahrrad zu uns? Wie ist es daran gekommen? Das alles sind Fragen, die ich mir nie beantworten konnte. Wir beschäftigten uns auch nicht weiter damit, denn jeder wollte das, was geschehen war, vergessen.

Christiane Müller (D - 13 Jahre)